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Schwimmverband NRW, 30.01.09, von A. Hillebrand
Konjunkturprogramm 2009 — Schwimmverband fordert Sanierung und Modernisierung von Bädern
Auf Anregung des Schwimmverbandes NRW haben der DSV und die DLRG eine gemeinsame Entschließung auf den Weg gebracht, die die Bundesregierung und die Landesegierungen auffordert, im neuen Konjunkturprogramm festzulegen, dass in dem Programmteil „Kommunale Infrastruktur“ neben den Schulen insbesondere auch die Sanierung kommunaler Sportstätten und hier mit Vorrang kommunaler Hallen- und Freibäder gefördert werden kann. Der Schwimmverband NRW bittet nunmehr seine Vereine, diese "große Politik" auf kommunaler Ebene umzusetzen und sich vor Ort mit Nachdruck für das Anliegen einzusetzen. "Die Vereine vor Ort müssen die Chance für die Sanierung öffentlicher Bäder nutzen". In einem Schreiben an alle Mitgliedsvereine stellen SV NRW-Präsident Manfred Peppekus und Vizepräsident Dr. Rudolf Salmen die Argumente für diese Forderung an die Politik ausführlich dar.

An die Mitgliedsvereine
des Schwimmverbandes NRW

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Sportfreunde,

wie bekannt, hat die Bundesregierung ein Konjunkturpaket aufgelegt, dass u.a. erhebliche Zuschüsse für Investitionen in die kommunale Infrastruktur vorsieht. Auch wenn man Verständnis dafür haben kann, dass in der öffentlichen Diskussion des Konjunkturprogramms die Sanierung von Schulen im Mittelpunkt steht, muss der Schwimmsport in der aktuellen politischen Diskussion mit großem Nachdruck auf die ebenso wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe hinweisen, dass daneben auch Sportstätten und öffentliche Bäder in das Konjunkturprogramm aufgenommen werden müssen: Viele sanierungsbedürftige Bäder können so nämlich mit Zuschüssen aus dem Konjunkturprogramm langfristig erhalten werden, und zugleich kann die Schwimmfähigkeit unserer Kinder verbessert und ein erheblicher Beitrag zur Verbesserung der Energieeffizienz öffentlicher Einrichtungen geleistet werden.

Wir haben deshalb über den DSV und die Bundes DLRG an die Bundesregierung appelliert, auch die Sanierung bzw. den Neubau von Bädern in das Konjunkturprogramm aufzunehmen. Das wird voraussichtlich gelingen, so dass erstmalig die Sanierung bzw. auch der Neubau öffentlicher Bäder bundesweit gefordert werden kann.

Jetzt müssen die Vereine vor Ort die Chance nutzen, dass die Städte die Sanierung öffentlicher Bäder bzw. auch von bereits wegen fehlender Sanierungsmittel geschlossener Bäder in ihre kommunalen Prioritätenlisten aufnehmen.

Wir bitten unsere Vereine, sich dafür vor Ort mit Nachdruck einzusetzen.

In der folgenden Begründung unseres Anliegens möchten wir Ihnen einige gute Argumente für die Diskussion vor Ort aufzeigen:

Die große Mehrzahl der rund 6700 öffentlichen Bäder in der Bundesrepublik ist in den 50er bis 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts errichtet worden. Aufgrund der chronischen Finanznot der Kommunen sind notwendige Sanierungs-, Unterhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen, insbesondere in eine energiesparende Bädertechnik, seit vielen Jahren zurückgestellt und unterlassen worden. Der Sanierungsbedarf beträgt nach aktuellen Schätzungen bundesweit rund 8 Mrd. Euro.

Durch eine veraltete, oft mehr als 30 Jahre alte Bädertechnik sind viele Bäder große Energieverschwender und CO 2-Verursacher. Die extremen Energiekostensteigerungen der letzten Jahre haben zudem dazu geführt, dass die Betriebskosten der öffentlichen Bäder trotz Einsparungen der Kommunen insbesondere im Personalbereich weiter erheblich gestiegen sind. Der Zuschussbedarf beträgt z. Zt. insgesamt 2 Mrd. Euro und wird sich bei zukünftig wieder steigenden Energiekosten weiter erhöhen.

Aufgrund der schlechten Finanzsituation der Kommunen sind in den letzten Jahren bereits zahlreiche Hallen- und Freibäder sowie Lehrschwimmbecken wegen der hohen Folgekosten und weil die Badbetreiber eine Sanierung nicht aus ihrem Haushalt finanzieren konnten, geschlossen worden, obwohl viele Bäder nach Ihrer Bausubstanz mit einem vertretbarem Aufwand saniert und langfristig hätten erhalten werden können.

Die negativen gesellschaftspolitischen Folgen dieser Entwicklung sind unübersehbar:

Fast ein Drittel der Grundschulkinder können heute nicht mehr schwimmen - mit steigender Tendenz, wenn ortsnahe Bäder nicht mehr vorhanden sind.

Schwimmvereine und DLRG-Ortgruppen - wo Kinder und Jugendliche nicht nur zu Sportlern und Lebensrettern ausgebildet werden, sondern auch Schwimmen lernen - sind in Ihrer Existenz gefährdet.

Die Freizeitqualität vieler Städte - wo oft nur ein Bad vorhanden ist - wird mit jeder Bäderschließung weiter verschlechtert.

Das neue Konjunkturprogramm bietet nun endlich die Chance, eine seit Jahren fehlende, bundesweite Fördermöglichkeit zur Sanierung öffentlicher Bäder mit dem Schwerpunkt "Verbesserung der Energieeffizienz und CO2-Reduzierung" zu schaffen und damit zugleich die Zuschussbedarfe der Bäder deutlich zu senken.

Die große Chance, aus dem Teufelskreis von kommunaler Finanznot, steigenden Bäderdefiziten und Bäderschließungen auszusteigen und mit der Sanierung langfristig erhaltenswerter Bäder in beachtlichem Umfang zur Energieeinsparung und Co-2-Vermeidung beizutragen, muss genutzt werden.

Abschließend noch eine Bitte: Sofern die Sanierungsbedarfe für öffentliche Bäder in Ihrer Stadt bekannt sind, teilen Sie uns dies bitte per Mail kurzfristig mit. Es genügen Zirka-Kosten, die uns eine grobe Vorstellung von der ungefähren Größenordnung des Sanierungsbedarfs geben

Wir benötigen dringend derartige Fallbeispiele für die weitere Diskussion auf Landesebene!

Mit freundlichen Grüßen
Manfred Peppekus
Präsident
Dr. Rudolf Salmen
Vizepräsident

Anschreiben an unsere Mitgliedsvereine "Konjunkturprogramm der Bundesregierung" (PDF-Datei, 36 kb, 3 Seiten)
 
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Letzte Aktualisierung: 30.01.2009 •  webmaster@swimpool.de